Schlossknacker/Hausierer
Von Inverness aus trieb es uns direkt in die Arme der National Trust-Angestellten bei Brodie Castle, einem gut erhaltenen und noch relativ kürzlich bewohnten Schloss. Es hat seit seinem ursprünglichen Bau vor Jahrhunderten diverse Erweiterungen erfahren, die einen Rundgang zu einer Zeitreise nach der anderen werden lassen, da der nächste Raum fast jedes mal in einem anderen Jahrhundert erbaut wurde.
Wir nahmen an einer sehr detailreichen Führung durch das Gebäude Teil, die auch einige Zeit in Anspruch nahm.
Leider konnten wir, und das sollte noch öfter der Fall sein, drinnen keine Fotos machen, da die Blitzlichter schädlich für die mühsam konservierten Gemälde und anderen Gegenstände sind.
Nach unserem Besuch in Brodie Castle sollte es nun weiter nach Fyvie Castle gehen und das teilten wir auch unserem mehr oder weniger treuen Navigationsprogramm mit. Das war jedoch mehr schlecht als recht informiert und schickte uns 3km irgendeine staubige Straße hoch, die in einem schlammigen Feldweg neben einer Farm (niemand weiß, was für eine Farm) endete.
Einer der dort an irgendwas werkelnden Farmer (?) wies uns auf das mehr oder weniger Offensichtliche hin: „hier ist keine Straße”.
Umgedreht suchten wir uns unseren Weg zurück zu einer tatsächlich existierenden Straße und umfuhren das Problemgebiet weiträumig.
So kamen wir dann zu Fyvie Castle, wo wir uns selbst durch das Schloss führten und gleichzeitig eine Hochzeitsgesellschaft beobachten konnten, da diverse der besser erhaltenen Schlösser, die in der Obhut des National Trust sind, alternative Einnahmequellen nutzen müssen um die Kosten zu decken.
Aufgrund mangelnder Alternativen (Gärten bei Regen anzuschauen ist irgendwie öde) entschieden wir uns für Aberdeen - der Stadt aus Granit, wie uns später mitgeteilt wurde.
Es handelt sich bei Aberdeen um eine relativ große Stadt mit verhältnissmäßig wenigen B&Bs. Nach einigem Suchen in engen Gassen mit hohen Häusern fanden wir dann doch eins, das auch noch erstaunlich preisgünstig war, kehrten ein und fuhren in die Innenstadt, sowohl um zu dinieren, als auch unsere Unterhaltung abzusichern. McDonalds, Kino, Regen. Und Aberdeen spielt wirklich verrückt an einem Samstagabend. Das ist die Studenten- und Partystadt schlechthin.
Der nächste Morgen brachte zu unserem Bedauern nicht weniger viel Regen. Dafür aber Black Pudding, dessen Zubereitung wir nicht verhindern konnten. Pfuibäh! Anstandshalber ein kleines Stückchen probiert, runtergewürgt, mit viel Tee nachgespült und den Rest dezent liegengelassen.
Internet zu finden war unsere oberste Priorität, die einmal mehr zu einer netten Sightseeing-Tour durch diverse Wohngebiete wurde...
Drum Castle stand als nächstes auf dem Programm. Umgeben von einem Haufen Gärten, deren Besichtigung bei Regen nach wie vor eher unangenehm war, ist auch dieses Schloß gut erhalten, möbliert und zu besichtigen. Es ist das älteste erhaltene Schloss bzw. ehemals Burg, besteht es doch unter anderem aus einem alten Wachturm aus dem zwölften Jahrhundert mit stolzen drei Meter dicken Wänden. Aber natürlich sind auch wieder zahlreiche alte Möbel, Gemälde von unschätzbarem Wert, extrem teures, mehrere hundert Jahre altes Geschirr und alte Teppiche vorhanden.
Gleich nebenan befindet sich Crathes Castle, das nicht nur einen Garten, sondern gleich mehrere Gärten, Wälder und Wanderwege sein Eigen nennt. Auch dieses Schloss ist sehr gut erhalten und weist einige recht beeindruckende Räume auf.
Tatsächlich gibt es in der englischen Sprache keinen Unterschied zwischen Burg und Schloss. Das einzige Wort um die Dinger, die weder defensiv ausgerichteten Burgen noch prunkvolle Schlösser mit unzähligen kleinen Türmchen zu bezeichnen, scheint Grand House zu sein. Mehrere National Trust-Leute wussten es nicht besser zu erklären.
Zu eben einem solchen Grand House ging es als nächstes, dem House of Dun in der Nähe von Dun. Hier erschlichen wir uns einige Fotos (selbstverständlich ohne Blitz), als gerade niemand hinguckte. ;)
Da so ein Schlösschen schon einiges an Zeit frisst, machten wir uns anschließend auf den Weg nach Dundee, um dort eine Schlafgelegenheit zu finden - was sich als schwerer herausstellen sollte, als wir dachten. Denn gerade an diesem Wochenende waren in der Nähe die Open Golf-Meisterschaften, so dass von den paar wenigen B&Bs die wir fanden (unser Gastgeber meinte, wir hätten am falschen Ort geschaut, was durchaus sein kann) quasi alle ausgebucht waren. Letztendlich wurden wir dann doch noch fündig und bekamen ein Zimmer im Dachgeschoss mit Blick auf den Firth of Tay, mehr Betten als wir nutzen konnten und einem dekadent guten Badezimmer - hier wurde wohl frisch renoviert. Wir ließen den Abend dann mit unserem bisher vernachlässigten Brot und den diversen Belägen für selbiges ausklingen. 




