Filmreif
Der Freitag (ja, wir wissen noch, welchen Tag wir haben, es steht unten rechts in dem kleinen Fenster neben der Uhrzeit...) begann mit einem Frühstück, das zwar auch Tee, Toast und Butter enthielt, aber von Schinken, Ei und Würstchen komplettiert wurde. Unsere Flucht hatte sich also durchaus gelohnt.
Nachdem wir das örtliche Internet-Cafe aufgesucht hatten, in welchem sich natürlich, genau wie bereits auf dem Weg dort hin, zahlreiche andere Deutsche befanden, gingen wir noch bei Morrison's einen Haufen Essen besorgen.
Gut mit Nahrung versorgt machten wir uns auf den Weg zum Glenfinnan Monument, einer großen Steinsäule am Loch Shiel.
Von dort aus hat man nicht nur einen wunderbaren Ausblick über das Loch, sondern kann in die andere Richtung auch eine gewisse Eisenbahnbrücke erspähen, die der eine oder andere eventuell aus einer Filmreihe kennt, deren schriftliche Grundlage in den nächsten Tagen einmal mehr erweitert wird.
Die Rede ist natürlich von Harry Potter. Die Brücke wirkte im Film nur irgendwie größer, und Häuser und Parkplätze gabs da auch keine zu sehen... moderner Technik sei Dank.
Nächstes Ziel war Loch Ness. Genauer gesagt: Urquhart Castle, eine über dem Loch tronende Burg aus dem 12. Jahrhundert. Oder was davon übrig geblieben ist.
Neben einer Menge Steinen gab es vor allem jede Menge Touristen, natürlich auch wieder mehr als nur eine Handvoll Deutsche zu sehen. Der leider etwas bewölkte und nebenbei bemerkt etwas zugige Ausblick über Loch Ness war den Aufwand aber dennoch wert.
Da es bereits nach 17h war beschlossen wir, in Inverness eine Bleibe zu finden... suchen.
Die relativ große Hafenstadt, deren Hafen scheinbar groß genug ist, das Clubschiff AIDA aufzunehmen (Christians Bruder ist gerade mit besagtem Schiff unterwegs hat von Inverness aus Urquhart Castle besucht), hat B&Bs an jeder Ecke. Leider waren die so ziemlich alle voll. Die die nicht voll waren, waren viel zu teuer, bot man uns doch einen Raum für Ł 72 die Nacht an.
Einige Kurverei später fanden wir dann doch noch ein Zimmer mit einem großzügigen, einladenden Bett und einer netten alten Dame.
Auf in die Innenstadt zwecks Futtersuche. Keine 20 Meter weiter begegneten wir einem verzweifelten jungen Franzosen der ganz dringend einen Platz zum Schlafen suchte. Ob wir wüßten, wo hier der nächste Campingplatz sei, fragte er, denn er habe schon sehr viele B&Bs durchprobiert. Ein Blick auf unsere Landkarte (ja, die aus Papier) half leider nicht besonders gut weiter und wir mußten den Seelenverwandten, der allerdings mit seiner eher unansehnlichen Freundin unterwegs war, von Dannen ziehen lassen.
Auf dem Weg in die Stadt liefen wir an vier B&Bs mit Vacancies-Schildern vorbei.
Zum Abendessen gab es Chinesen. All-you-can-eat Chinesen. In einem wirklich großen, gut besuchten Laden.
Voll und glücklich kugelten wir die Treppe hinunter zum Ausgang, wo wir den freundlich aussehenden Türsteher fragten, ob es denn ein Kino in der Nähe gäbe.
Die Antwort war wenig zufriedenstellend. Das Kino sei außerhalb der Stadt im Retail Park.
Da wir auf unserer Suche nach einer Schlafgelegenheit dort schon vorbeigekommen waren, wagten wir uns ohne Navigation auf die Suche, trafen unterwegs noch ein paar metalphile Jugendliche die headbangenderweise auf der Straße herumsprangen nachdem sie unsere Evil Horns erspäht hatten, und fanden zwar den Retailpark, aber kein Kino.
Von einem neben uns an der Ampel wartenden Taxi erfuhren wir, dass das Kino „da hinten rechts” sei. Blöd nur, dass die Straße unmittelbar rechts auf die Autobahn und damit drei Meilen gradeaus führte.
Zurück im Retailpark probierten wir alle fünf Ausfahrten des ersten Kreisels, alle drei Ausfahrten des zweiten Kreisels und noch ein paar Kreuzungen und Kreisel mehr. Es gab Tesco, Shell, Matalan, Deichmann, ein Krankenhaus und ein Polizeihauptquartier, aber kein fucking Kino. Seltsame Stadt.
So blieb uns, da es jetzt eh schon zu spät gewesen wäre, nur die Irrfahrt zurück zum B&B.




