A ferry tale
Wlan im Hotel, welch Luxus. Ein kleiner Ausgleich für das wirklich miserable Frühstück. Tee zum selber aufgießen mit Teebeutel und einem Heißwasserspender der einer Friedhofspumpe Konkurenz machen konnte, verklumpte Kaffeesahne die im Tee (der eh viel zu stark gewesen wäre, weil keine Uhr) gerinnt, eine Serviererin mit eigenem Gravitationsfeld und pekig schmutziges Geschirr.
Dover sollte das Ziel sein, und wir machten uns sogleich wagemutig auf den Weg. Einige Stunden später, quasi kurz nach Mittag, erreichten wir die befestigte Hafenstadt die schon in so manchem Krieg als Basis gedient hat.
Erster Halt: Hafen. Welche der drei Fährlinien uns wohl die günstigste Überfahrt verkaufen würde? Der eigentliche Plan war, eine Fähre früh morgens am Freitag zu nehmen, da diese wohl recht billig sein würde, und die Nacht in einem B&B zu verbringen, um dessen Beschaffung wir uns später kümmern wollten.
Seafrance wollte für eine Fähre mitten in der Nacht (2h) etwa Ł 75 haben. Nein Danke. Bei P&O war die Schlange enorm lang. Auch nicht das Wahre, da die ohnehin immer teurer sind als Seafrance. Blieb noch Norfolk Line, die uns ja auf der Hinfahrt in Dunkerque gefoppt hatte, da es Samstags keine 16h Fähre gab. Diesesmal sollte sich Norfolk Line aber doch als die richtige Wahl herausstellen. Das Buchen sei allerdings per Telefon viel günstiger, teilte uns die Dame mit, und vorreservieren könne man am Schalter garnicht.
Ein kurzes Telefonat verriet uns, dass wir ein Internet-Cafe benötigten. Also hieß es jetzt, durch die Stadt zu rennen. In der Bücherei wurden wir fündig und fanden heraus, dass es tatsächlich für 18h noch am selben Tag eine Fähre gab, die mit Ł 43 genau unseren Preisvorstellungen entsprach.
Dummerweise war der Rechner in der Bücherei so langsam, dass er eine Buchung in der uns verfügbaren Zeit unmöglich machte.
Da auch eine Nahrungsaufnahme unumgänglich erschien, verfügten wir uns zu McDonald's und tafelten reichlich. Während meine Pommes erkalteten telefonierte ich ein weiteres mal mit der Norfolk Line um unsre Verschiffung zu sichern.
Die gute Frau, mit meiner Buchstabierung eines gewissen Weges in Devese sichtlich überfordert, laß meinen Nachnamen fehlerfrei vor, was mich sehr verwunderte, hatte sie doch Polo zuerst nicht verstanden, weil ich es deutsch ausgesprochen hatte.
Nach der erfolgreichen Befüllung unsererselbst begaben wir uns zu einem Tesco Superstore (Supermarkt) um einen großen Vorrat an Tee sowie koffeeinhaltigen Getränken für die Heimreise zu erstehen.
Als auch dies geschafft war, stellten wir fest, dass noch mehr als eine Stunde bis zum Check In zu erschlagen war.
Was lag da näher, als einmal mehr von unseren rosanen Bezahl-Durchschlägen vom NTS gebrauch zu machen, und ein wenig ziellos auf den weißen Klippen von Dover herumzuwandern.
Schließlich war die Zeit reif und wir begaben uns zurück zum Auto, entknoteten unser Haar (es war nicht untereinander verknotet) und fuhren Richtung Hafen. Genauer gesagt in die andere Richtung, nähmlich den kurzen Weg quer durch die Stadt, an den ich mich noch erinnern konnte.
Dummerweise war da ein ziemlich übler Stau, den wir mit einem eher uneleganten Wendemaneuver und einer etwas längeren Fahrt über die ursprüngliche Richtung geschickt umfuhren um gerade noch rechtzeitig am Hafen anzukommen, wo man uns direkt durch die Passkontrolle winkte, da man die blöden Deutschen, die sowieso viel besser Fussball spielen als die Engländer, scheinbar möglichst schnell loswerden wollte.
Der Mann vom Zoll sah das allerdings anders und schickte uns in seine Hütte, wo ich den Kofferraum öffnen (er sagte, er dürfe das nicht selbst, denn es könnte ja was kaputtgehen und wir könnten ihn verklagen und weil er so schlecht verdiene wäre er dann am Arsch) und ihm zeigen durfte, dass wir weder Kinder noch Waffen (und auch keine Schafe) mitführten.
Lustigerweise stellte der Franzose am Check In, als er meinen Ausweis ansah, fest, dass mein Nachname ja französisch sei. Ich erwiderte, dass das möglich sei, da meine Vorfahren wohl nach Preußen geflohen sein. Dann müssen sie wohl Protestanten gewesen sein, stellte er fest, und gab wies uns eine Wartespur zu.
Komische Leute gibts...
Auf dem Schiff angekommen waren wir überwältigt von dessen Neuheit. Wir dachten ursprünglich, Norfolk Line wäre so günstig, weil die Schiffe so alt und schäbig waren. Was für ein Irrtum.
Das Schiff war modern, sauber und geräumig. Viel mehr Chillfläche als bei P&O. Auch viel mehr Außendeck. Das erstreckte sich hier über zwei Ebenen und hatte sogar einen überdachten Bereich mit Tischen.
Wir verbrachten die zwei Stunden Fahrt (45 Minuten länger als nach Calais) mit lesen, obschon ich mich wunderte, warum so viele der wenigen Passagiere mit Laptops herumhantierten. Als das Schiff gerade am Anlegen war, fragte ich den Menschen neben uns, was er da mache. „Yes, they have free Wifi.” Narf. Warum schreiben die das denn nirgends hin?!
Es bleibt zu bemerken, dass Norfolk Line erheblich günstiger als die beiden Mitbewerber aus Calais ist. Wir empfehlen daher jedem der die Britischen Inseln besuchen möchte, von Dünkirchen aus abzufahren!
EInen großen Teil der Fahrt lasse ich jetzt mal weg, da ich ohnehin schon viel zu viel geschrieben habe.
Momentan befinden wir uns, um kurz vor 3h morgens, in der Nähe von Bielefeld auf der bundesdeutschen Autobahn, deren Richtgeschwindigkeit von 130km/h leider dank Mittelengland-würdigen Regengüßen utopisch weit über unserer tatsächlichen Geschwindigkeit liegt.
Aufgrund meiner zunehmend starken Müdigkeit (eigentlich wollte ich jetzt schlafen und nicht schreiben) sitzt Christian nun zum ersten Mal hintern Steuer - nach immerhin gut 4300km.
So, heile angekommen. Liebe Mama Wiese, wir erwarten, wie es sich für ein gutes B&B gehört, natürlich ein reichhaltiges Frühstück. 




